Der Markt zeigt, Kompostierbarkeit wird ein zunehmend gewünschter Aspekt für Verpackungsmaterial. Die Beispiele sind mannigfaltig. Vom kompostierbaren Kaffeebecher bis zur 500g Beerenobstschale aus Biokunststoff scheint alles vertreten.

In Deutschland und der EU gibt es bis heute keinen geeigneten Verwertungsweg über die Dualen Systeme für biokunststoffbasierte, kompostierbare Verpackungen. Sie werden als Störstoffe in den Leichtverpackungssortieranlagen (LVP- Sortieranlagen) aussortiert und der thermischen Verwertung zugeführt, falls der Konsument sie der haushaltsnahen Wertstoffsammlung zugeführt hat. Technisch wäre eine Sortierung möglich. Sie lohnt sich aufgrund des geringen Volumens und des momentan angeschlagenen Recyclingmarkts nicht.

Kompostierbare, papierbasierte Verpackungen sollten, wenn möglich, über die haushaltsnahe Papier- und Pappesammlung einem werkstofflichen Recycling zugeführt werden. Ihre wertvollen Fasern gehen sonst durch eine Kompostierung verloren.

Wenn sich der Kunde entscheidet, dem Werbeversprechen der Verpackung zu vertrauen und diese entweder auf den heimischen Kompost oder in die Biotonne gibt, stellt sich oft ein anderes Ergebnis ein, als es das Werbeversprechen suggeriert.

Viele Verpackungsmaterialien sind nur industriell kompostierbar. Verpackungen, die auf dem heimischen Kompost entsorgt werden und nur industriell kompostierbar sind, können sich dort nicht zersetzen und verschmutzen den Kompost.

Verpackungen, die der Biotonne zugeführt werden und kompostierbar sind, werden in Deutschland oftmals durch Siebtrommeln und andere technische Anlagen vom Stoffstrom getrennt und anschließend der thermischen Verwertung zugeführt.

Schaffen es Verpackungsmaterialien trotzdem in den Kompost, kommt es häufig zu weiteren Komplikationen. Die Verpackungen zersetzen sich nicht ausreichend während der Kompostierungsdauer (ca. 14-50 Tage, industrieller Rahmen) und verschmutzen den als Dünger eingesetzten Kompost. So können Störstoffe auf Felder gelangen.

Die nach der DIN EN 13432 (Norm für die Testung der Kompostierbarkeit von Verpackungsmaterial) zertifizierten Verpackungen vermitteln durch Zertifikate und Siegel die komplette Zersetzung der Materialien. Begründet ist die mangelhafte Zersetzung durch oft länger angenommene Kompostierungszeiten, als sie in der Realität Fakt sind.

Besonders häufig, laut Stadtreinigung Hamburg, sind im Kompost Fruchtsticker zu finden. Sie sind klein und werden vom Konsumenten oft noch an der Schale anhaftend entsorgt. Sie gelangen durch die Siebe in den Kompost und werden dort unzureichend zersetzt. Selbst zertifizierte biokunststoffbasierte Fruchtsticker können sich laut Dr. Anke Boisch (Stadtreinigung Hamburg) nicht komplett zersetzen. Reste seien teilweise optisch nicht mehr eindeutig zu identifizieren aber nachweisbar. Siehe Foto.

Ebenso verweist Dr. Boisch auf die Vorgaben in der Düngemitteltypenliste. In ihr sind kompostierbare Verpackungen als Bestandteil des Komposts nicht zugelassen. Kompost, der solche Materialien zulässt, darf nicht in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Papiere seien zwar als unvermeidliche Mengen z.B.: durch Zeitungspapier als Sammelhilfen zugelassen, nicht vollständig zersetzte Reste würden den Kompost trotz dessen verunreinigen. Eine Zulassung von kompostierbaren Verpackungsmaterialien im Kompost hätte zur Folge, dass der Vertriebsweg des Erzeugnisses Dünger komplett wegfallen würde. Die Kreislaufwirtschaft von organischen Abfällen wäre nachhaltig geschwächt.

Die Agrarministerkonferenz hat deshalb vor kurzem beschlossen, den Eintrag von Störstoffen in den Ackerboden strenger zu minimieren. Dies wird zur Folge haben, dass Kompost reiner werden muss. Eine Sonderregelung für problembehaftete „kompostierbare“ Verpackungsmaterialien ist nicht zu erwarten.

Eine verantwortungsvolle Wahl des richtigen Verpackungsmaterials und entsprechender Kommunikation mit dem Konsumenten über Design und Symbolik sind für uns elementar. 

Wir arbeiten gemeinsam mit Herstellern, Recyclingbetrieben und Dualen Systemen an den Herausforderungen, die sich in unserer Branche ergeben.

Sehr gerne stehen wir Ihnen für Ihre Fragen rund um das Thema Kompostierbarkeit und Kreislaufwirtschaft zur Verfügung und beraten sie entsprechend Ihrer individuellen Anforderungen.

Quelle: Stadtreinigung Hamburg
Quelle: Stadtreinigung Hamburg

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